Frühere Lehrer

👤 Von Ronald Mayrhofer  |  ⏱️ Ca. 8 Min. Lesezeit

Frühere Lehrer

Die Meister, von denen Siddhattha Gotama vor seinem Erwachen lernte

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Einleitung

Bevor er zum Buddha erwachte, suchte Siddhattha Gotama nach Befreiung vom Leiden (Dukkha). Nach dem Verlassen des Palastes begab sich der Bodhisatta (ein Wesen auf dem Weg zum Erwachen) zunächst auf den traditionellen Weg indischer Wahrheitssucher: Er suchte nach Lehrern, die ihn auf dem spirituellen Pfad unterweisen konnten. Der Pāli-Kanon berichtet von zwei besonders bedeutenden Lehrern, denen er begegnete: Āḷāra Kālāma und Uddaka Rāmaputta.

Diese beiden Meister waren Vertreter hochentwickelter meditativer Traditionen ihrer Zeit und lehrten den Bodhisatta fortgeschrittene Stufen der Geisteskonzentration, die sogenannten formlosen Vertiefungen (Arūpa-Jhāna). Āḷāra Kālāma unterwies ihn in der Erreichung der „Sphäre des Nichts“ (Ākiñcaññāyatana). Uddaka Rāmaputta führte ihn zur „Sphäre von Weder-Wahrnehmung-noch-Nicht-Wahrnehmung“ (Nevasaññānāsaññāyatana), dem höchsten Bewusstseinszustand, der durch Konzentrationsmeditation allein erreichbar ist. Der Bodhisatta meisterte diese anspruchsvollen Techniken schnell und erreichte, was seine Lehrer lehrten. Āḷāra Kālāma bot ihm an, die Gemeinschaft gemeinsam zu leiten; Uddaka Rāmaputta bot ihm sogar die alleinige Leitung an.

Doch der Bodhisatta erkannte, dass selbst diese erhabenen meditativen Zustände nicht das Ende des Leidens bedeuteten. Sie führten zwar zu einer zeitweiligen Befreiung von groben mentalen Zuständen und zu einer Wiedergeburt in der jeweiligen formlosen Sphäre, aber nach MN 26 nicht zu Abwendung, Loslösung und Aufhören, nicht zum Erwachen und nicht zum endgültigen Verlöschen (Nibbāna). Diese Erkenntnis wird oft als entscheidender Punkt gedeutet: Der Buddha baute auf den meditativen Errungenschaften seiner Zeit auf, erkannte aber ihre Begrenztheit. In dieser Deutung war ein weiterer Schritt nötig: die Entwicklung von durchdringender Weisheit (Paññā) durch die Einsicht in die wahre Natur der Phänomene (Vergänglichkeit, Leidhaftigkeit, Nicht-Selbst).

Obwohl er ihre Lehren als unzureichend für die endgültige Befreiung erkannte, schätzte der Buddha seine früheren Lehrer. Nach seinem Erwachen dachte er zuerst daran, Āḷāra Kālāma und Uddaka Rāmaputta aufzusuchen, um ihnen den neu entdeckten Dhamma mitzuteilen, da er sie aufgrund ihrer hohen geistigen Entwicklung für besonders empfänglich hielt. Gottheiten teilten ihm jedoch mit, dass beide kurz zuvor verstorben waren, und er erkannte es auch selbst. Die Begegnungen mit diesen Lehrern sind somit ein wichtiger Teil der Vorgeschichte des Erwachens und verdeutlichen die spezifische Natur des buddhistischen Weges im Kontext der damaligen indischen Spiritualität.

Āḷāra Kālāma – Lehrer meditativer Formlosigkeit

Biografie und Lehre: Āḷāra Kālāma war ein angesehener Eremit und Meditationslehrer, der als erster Lehrer des Bodhisatta Siddhattha Gotama nach dessen „Großer Entsagung“ (dem Verlassen des häuslichen Lebens) gilt. Er lehrte eine fortgeschrittene Meditationspraxis, die zur Erreichung der „Sphäre des Nichts“ (Ākiñcaññāyatana) führte. Dies ist die dritte der vier formlosen Vertiefungen (Arūpa-Jhāna). Zählt man die vier Jhānas mit, ist sie die siebte von acht meditativen Stufen. Die Bezeichnung der formlosen Zustände als „Jhāna“ ist vor allem in der späteren Systematik üblich; die Suttas wie MN 26 sprechen von „Bereichen“ (Āyatana). Die Sphäre des Nichts stellt einen Zustand dar, in dem die Wahrnehmung von Objekten und sogar des unendlichen Raumes oder Bewusstseins überschritten wird und nur noch die Erkenntnis von „Nichts“ übrigbleibt.

Begegnung mit dem Bodhisatta: Der Bodhisatta suchte Āḷāra Kālāma auf und bat darum, sein Schüler zu werden. Er erlernte dessen Lehre und meisterte die meditative Technik zur Erreichung der Sphäre des Nichts in kurzer Zeit. Āḷāra Kālāma war von den Fähigkeiten seines Schülers so beeindruckt, dass er ihn als sich ebenbürtig anerkannte und ihm anbot, die Gemeinschaft der Schüler gemeinsam zu leiten. Der Bodhisatta erkannte jedoch, dass dieser Zustand, obwohl sehr erhaben, nicht zur endgültigen Befreiung vom Kreislauf der Wiedergeburten (Saṃsāra) und vom Leiden führte, sondern lediglich zu einer Wiedergeburt in der Sphäre des Nichts. Da sein Ziel das vollkommene Verlöschen (Nibbāna) war, verließ er Āḷāra Kālāma, um seine Suche fortzusetzen. Nach seinem Erwachen erinnerte sich der Buddha an Āḷāra Kālāma und wollte ihm als Erstem den Dhamma verkünden, doch Gottheiten teilten ihm mit, dass dieser bereits sieben Tage zuvor verstorben war, und er erkannte es auch selbst. Ein späterer Schüler Āḷāra Kālāmas war Pukkusa aus dem Volk der Mallā, der später dem Buddha begegnete und dessen Schüler wurde.

Sutta-Referenzen: Die Begegnung wird hauptsächlich in den Berichten über den Weg des Buddha zum Erwachen erwähnt.

  • MN 26 (Ariyapariyesanā Sutta): Enthält die ausführlichste Beschreibung der Begegnung des Bodhisatta mit Āḷāra Kālāma, seiner Lehre und dem Grund für das Verlassen.
  • MN 36 (Mahāsaccaka Sutta): Der Buddha erwähnt seine Zeit bei Āḷāra Kālāma im Gespräch mit dem Debattierer Saccaka.

MN 26 – Zusammenfassung und MN 36 – Zusammenfassung mit Erklärung der Lehrreden im Lehrreden-Verzeichnis.

Uddaka Rāmaputta – Lehrer höchster Bewusstseinszustände

Biografie und Lehre: Uddaka Rāmaputta war der zweite bedeutende Meditationslehrer, den der Bodhisatta Siddhattha Gotama auf seiner Suche aufsuchte, nachdem er Āḷāra Kālāma verlassen hatte. Uddaka Rāmaputta war der Sohn oder Schüler eines Lehrers namens Rāma, der nach eigener Aussage die „Sphäre von Weder-Wahrnehmung-noch-Nicht-Wahrnehmung“ (Nevasaññānāsaññāyatana) erreicht hatte. Uddaka Rāmaputta gab diese Lehre Rāmas weiter; nach MN 26 beschrieb er den Zustand als das, was Rāma verwirklicht hatte, nicht als eigene Erfahrung. Dies ist die vierte und höchste der formlosen Vertiefungen (Arūpa-Jhāna) und die achte Stufe der meditativen Leiter. Sie beschreibt einen extrem subtilen Bewusstseinszustand jenseits von Wahrnehmung und Nicht-Wahrnehmung.

Begegnung mit dem Bodhisatta: Der Bodhisatta erlernte auch diese Technik sehr schnell und verwirklichte den Zustand von Weder-Wahrnehmung-noch-Nicht-Wahrnehmung. Uddaka Rāmaputta erkannte die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Bodhisatta, stellte ihn auf die Stufe seines eigenen Lehrers Rāma und bot ihm die alleinige Leitung seiner Schülergemeinschaft an. Doch auch hier erkannte der Bodhisatta, dass dieser Zustand, obwohl der höchste erreichbare Zustand reiner Konzentration, immer noch Teil des bedingten Daseins war und nicht zur endgültigen Befreiung vom Leiden und vom Kreislauf der Wiedergeburten führte, sondern lediglich zu einer Wiedergeburt in der Sphäre von Weder-Wahrnehmung-noch-Nicht-Wahrnehmung. Daher verließ er auch Uddaka Rāmaputta, unzufrieden mit dessen Lehre, und beschloss, den Weg zum Erwachen allein durch eigene Anstrengung zu suchen. Er zog weiter nach Uruvelā, wo er nach MN 36 zunächst strenge Askese übte, bevor er sie als Irrweg aufgab. Nach seinem Erwachen dachte der Buddha als Zweites an Uddaka Rāmaputta als jemanden, der den Dhamma schnell verstehen würde, musste aber erkennen, dass auch dieser bereits in der vergangenen Nacht verstorben war. Der Buddha wies später Uddakas Behauptung zurück, er sei ein Wissensmeister und Allbesieger und habe die Wurzel des Geschwürs ausgegraben; in dieser Lehrrede steht die Wurzel des Geschwürs für das Begehren.

Sutta-Referenzen: Ähnlich wie Āḷāra Kālāma wird Uddaka Rāmaputta hauptsächlich im Kontext der spirituellen Suche des Buddha erwähnt.

  • MN 26 (Ariyapariyesanā Sutta): Bietet die detaillierteste Darstellung der Begegnung, der Lehre und der Gründe für das Verlassen Uddaka Rāmaputtas.
  • MN 36 (Mahāsaccaka Sutta): Der Buddha berichtet Saccaka von seiner Zeit bei Uddaka Rāmaputta.
  • SN 35.103 (Uddaka Sutta): Der Buddha widerlegt Uddakas Anspruch auf vollständige Erkenntnis und Befreiung.

SN 35 – Zusammenfassung und Erklärung des Kapitels im Lehrreden-Verzeichnis.

Vertiefende Beiträge: Wer waren die inneren und äußeren Dämonen auf dem Pfad? Darüber schreibt der Blog-Artikel Mara und seine Töchter. Einen tiefen Blick auf die Rolle der weiblichen Ordinierten und Praktizierenden wirft die Seite Frauen im Frühbuddhismus. Das Spannungsfeld zwischen der reinen Mönchsregel und dem Leben als Hausbesitzer beleuchtet Vinaya vs. Laienleben. Wie der Aufbruch in die Hauslosigkeit im frühen Buddhismus verstanden wurde, zeigt die Seite Hinausziehen & Hauslosigkeit. Was die Suttas unter Jhāna verstehen und was später hinzukam, untersucht der Blog-Artikel Mythos vs. Sutta: Was sind die Jhānas wirklich (und was wurde später hinzugefügt)?

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