Geleitwort und Epilog

👤 Von Ronald Mayrhofer  |  ⏱️ Ca. 5 Min. Lesezeit

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Geleitwort und Epilog – Mein letztes Wort zur Schatztruhe

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Zuhörende,

dies ist ein besonderer Text. Er ist Geleitwort und Epilog zugleich. Ein Epilog ist es für mich, den Macher dieses Projekts – ein letztes, abschließendes Wort nach einer langen Zeit der Arbeit, des Aufbaus und des Strukturierens. Ein Geleitwort aber ist es für euch – ein Wegweiser für alle, die diese Seite und diese Podcasts heute, morgen oder in vielen Jahren neu entdecken.

Ich richte diese Worte an euch, weil mir eine Erkenntnis tief im Herzen liegt: Für mich ist die Begegnung mit der Lehre des Buddha das Größte und Wertvollste, dem ein Mensch in dieser Welt begegnen kann. Doch es gibt etwas, das noch seltener und noch kostbarer ist als diese bloße Begegnung. Viele Menschen mögen der Lehre im Laufe ihres Lebens begegnen, sie kurz betrachten und bewundern. Aber nach dieser Begegnung nicht einfach wieder andere Wege zu gehen – sondern sich zu entscheiden, diesem gezeigten Weg auch wirklich zu folgen –, das ist die eigentliche Seltenheit.

Damit ihr diesen Weg sicher gehen könnt, ist die Schatztruhe Pāḷikanon entstanden.

Meine Intention war es von Beginn an, die Welt des frühen Buddhismus zugänglich zu machen – und zwar vollkommen undogmatisch. Wir finden in der buddhistischen Welt oft harte Grenzen zwischen den Traditionen. Dieses Archiv möchte verbinden, nicht trennen. Alles hier fußt fest auf den ältesten Texten, dem Pāḷi-Kanon. Dennoch war es mir ein Anliegen, Brücken zu schlagen und zu zeigen, wie diese frühen Erkenntnisse mit den tiefen Philosophien späterer Schulen verbunden sind.

Um euch diese Welt verständlich zu machen, liegt hinter dieser Seite eine immense Arbeit der Strukturierung. Mein allergrößter Wunsch war es dabei stets: Die Lehre darf nicht verfälscht werden. Gerade beim mehrfachen, immer wiederholten Korrekturlesen und Überarbeiten der unzähligen Texte spürt man, wie schnell sich eigene Interpretationen einschleichen können. Ich habe gerungen, geprüft und immer wieder mit den Originalreden verglichen, damit ihr hier die unverfälschte Lehre vorfindet.

All dies wäre jedoch niemals möglich gewesen ohne jene, die mir den Weg bereitet haben. Ich persönlich brauchte Lehrer, um die Lehre überhaupt erst kennen und verstehen zu lernen – und ich brauchte wiederum die Lehre, die alten Lehrreden und Texte, um diese Lehrer zu verstehen. Mein tief empfundener Dank gilt daher all jenen, die mich in unserer Zeit so sehr geprägt haben, wie Fred von Allmen, Akincano Marc Weber, Raimund Hopf und Lama Tilmann, um nur einige wenige zu nennen. Aber dieser Dank reicht noch viel weiter zurück. Er gilt den Lehrern ihrer Lehrer. Nur durch diese unglaubliche, ununterbrochene Kette der Übertragung gelangte die Lehre bis in unsere heutige Zeit und somit zu uns.

Und es waren nicht nur die Lehrenden, die daran beteiligt waren. Jeder Einzelne – damals wie heute –, der auch nur eine Handvoll Reis in eine Bettelschale gelegt hat oder heute ein paar Euro für ein Projekt oder eine Person gibt, die die Lehre erhält, hat einen Anteil daran. Jeder von ihnen hat bewirkt, dass der Buddha heute noch zu uns spricht und uns lehrt.

Damit ihr nicht von der Fülle dieses überlieferten Wissens überwältigt werdet, ist die Schatztruhe bewusst aufgebaut: Die Seite führt euch sanft durch die Welt des Buddha, erklärt behutsam die zentralen Begriffe und Konzepte – immer direkt verlinkt mit den Original-Lehrreden – und weist euch dann den Weg durch den Kanon selbst: mit Erklärungen zu allen Reden aus dem Dīgha Nikāya und dem Majjhima Nikāya, sowie den wichtigsten Kapiteln und Auszügen aus dem Saṃyutta Nikāya und dem Aṅguttara Nikāya.

Doch bei all dieser Arbeit, bei all den Texten und Erklärungen, möchte ich euch zum Schluss das Wichtigste mit auf den Weg geben:

Studium ist wichtig. Ein klares Verständnis der Lehre ist ein wunderbares, schützendes Fundament. Aber das Studium ist nicht alles. Das bloße Lesen befreit nicht. Praxis ist entscheidend.

Die wahre Praxis beginnt in dem Moment, in dem ihr das Handy weglegt, den Laptop zuklappt oder dieser Podcast endet. Praxis ist eure Achtsamkeit im Alltag. Es ist der Umgang mit euren Mitmenschen. Es ist die formelle Meditation und das ehrliche, oft unbequeme Beobachten des eigenen Geistes.

Wie also kann diese Seite euch bei der Praxis helfen? Seht sie als eine sorgfältig gezeichnete Landkarte. Die Landkarte ist nicht der Weg, und sie nimmt euch das Gehen nicht ab. Aber wenn ihr auf eurem Weg ins Straucheln geratet, wenn Zweifel aufkommen oder ihr nicht wisst, wo ihr steht – dann könnt ihr diese Schatztruhe öffnen. Die Texte hier sind euer Kompass, um eure eigene Praxis immer wieder auszurichten.

Ich trete nun einen Schritt zurück. Mein Wunsch und meine Hoffnung ist es, dass dieses Projekt über viele Jahre hinweg vielen Menschen eine Hilfe sein wird.

Möget ihr der Lehre nicht nur begegnen, sondern ihren Weg auch gehen.
Möget ihr Klarheit, tiefes Vertrauen und unerschütterlichen Frieden finden. – Euer Ronald