6. Kontakt (Phassa)

6. Kontakt (Phassa)
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6. Kontakt (Phassa)

Phassa – Kontakt: Definition, Kontext und Schlüsseltexte im Pāli-Kanon

Die Rolle des Sinneseindrucks als sechstes Glied im Bedingten Entstehen und seine Bedeutung für die Erfahrung

1. Einleitung: Phassa – Der erste Funke der Erfahrung

Der Pāli-Begriff Phassa, meist mit „Kontakt“ oder „Berührung“ übersetzt, bezeichnet ein fundamentales Konzept in der buddhistischen Lehre, insbesondere in der Analyse von Wahrnehmung und Bewusstsein. Er beschreibt den grundlegenden Mechanismus, durch den wir mit der Welt in Verbindung treten und sie erfahren. Dieses Verständnis ist zentral, um nachzuvollziehen, wie Erfahrung entsteht, wie daraus Leiden (Dukkha) erwächst und wie dieser Prozess durchbrochen werden kann. Phassa ist kein obskurer Detailbegriff, sondern ein allgegenwärtiges Element in den Lehrreden des Buddha, das als entscheidendes Bindeglied in wichtigen Lehrsystemen wie dem Bedingten Entstehen (Paṭiccasamuppāda) fungiert.

Dieser Bericht zielt darauf ab, den Begriff Phassa klar zu definieren, seine Rolle im Kontext zentraler buddhistischer Konzepte zu erläutern und auf spezifische Lehrreden (Suttas) aus den vier Hauptsammlungen des Pāli-Kanons (Dīgha Nikāya, Majjhima Nikāya, Saṃyutta Nikāya, Aṅguttara Nikāya) zu verweisen, die diesen Begriff beleuchten. Die Darstellung richtet sich sowohl an Interessierte ohne Vorkenntnisse als auch an jene, die bereits über ein gewisses Grundwissen verfügen und ihr Verständnis durch gezielte Verweise auf die Originaltexte vertiefen möchten.

2. Definition und Erklärung: Was ist Phassa?

Grundbedeutung und Übersetzung

Das Pāli-Wort Phassa leitet sich vom Verb phusati ab, was „berühren“ oder „in Kontakt kommen“ bedeutet. Im alltäglichen Sprachgebrauch bezieht sich Berührung oft auf physischen Kontakt. Im buddhistischen Kontext bezeichnet Phassa jedoch primär einen mentalen Kontakt oder Sinneseindruck. Es ist das initiale Zusammentreffen oder die „Berührung“ zwischen unserer inneren Sinneswelt und der äußeren Objektwelt. Es handelt sich nicht um eine bloße physikalische Kollision, sondern um das Ereignis, das die Grundlage für jede Form von bewusster Erfahrung bildet. Gängige deutsche Übersetzungen sind Kontakt, Berührung oder Sinneseindruck.

Das „Treffen der Drei“ (Tiṇṇaṁ Saṅgati)

Die klassische und am häufigsten zitierte Definition von Phassa beschreibt dessen Entstehen als das Zusammentreffen (Saṅgati) von drei Faktoren:

  1. Eine innere Sinnesgrundlage (Ajjhattika-Āyatana): Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper oder Geist.
  2. Ein äußeres Sinnesobjekt (Bāhira-Āyatana oder Ārammaṇa): Form, Ton, Geruch, Geschmack, Berührungsobjekt oder Geistobjekt (Gedanke, Vorstellung, Gefühl etc.).
  3. Das entsprechende Sinnesbewusstsein (Viññāṇa): Sehbewusstsein, Hörbewusstsein usw. bis hin zum Geistbewusstsein.

Ein typisches Beispiel, wie es etwa in der Chachakka Sutta (MN 148) formuliert wird, lautet: „In Abhängigkeit von Auge und Formen entsteht Sehbewusstsein; das Zusammentreffen der drei ist Kontakt“ (Cakkhuñca paṭicca rūpe ca uppajjati cakkhuviññāṇaṁ, tiṇṇaṁ saṅgati phasso). Dieses „Treffen der Drei“ ist die notwendige Bedingung dafür, dass überhaupt eine Sinneserfahrung stattfinden kann. Ohne dieses Zusammentreffen gibt es keine bewusste Wahrnehmung eines Objekts.

Die sechs Arten von Phassa

Entsprechend den sechs inneren Sinnesgrundlagen (Saḷāyatana) – den fünf physischen Sinnen plus dem Geist (Mano) als sechstem Sinn – gibt es sechs Arten von Kontakt:

  • Augenkontakt (Cakkhu-Samphassa): Kontakt über das Sehen.
  • Ohrkontakt (Sota-Samphassa): Kontakt über das Hören.
  • Nasenkontakt (Ghāna-Samphassa): Kontakt über das Riechen.
  • Zungenkontakt (Jivhā-Samphassa): Kontakt über das Schmecken.
  • Körperkontakt (Kāya-Samphassa): Kontakt über das Fühlen/Tasten.
  • Geistkontakt (Mano-Samphassa): Kontakt über das Denken/Vorstellen mit Geistobjekten.

Diese sechs Arten werden explizit in Lehrreden wie der Chachakka Sutta (MN 148) aufgezählt und erklärt.

Phassa als mentaler Faktor (Cetasika)

In der detaillierteren psychologischen Analyse des Abhidhamma wird Phassa als einer der sieben universellen mentalen Faktoren (Sabba-Citta-Sādhārana Cetasika) klassifiziert. Diese sieben Faktoren begleiten ausnahmslos jeden einzelnen Bewusstseinsmoment (Citta), unabhängig davon, ob dieser heilsam (Kusala), unheilsam (Akusala) oder neutral ist. Die Funktion (Kicca) von Phassa wird dabei als das „Berühren“ oder „Auftreffen“ auf das Objekt beschrieben. Phassa ermöglicht es dem Bewusstsein, das Objekt zu erfahren, indem es den Kontakt herstellt – es fungiert als eine Art Vermittler oder „Einleiter“ zwischen dem Bewusstsein und seinem Objekt.

Spezielle Formen: Paṭigha- und Adhivacana-Samphassa

Die Mahānidāna Sutta (DN 15) führt eine wichtige Unterscheidung innerhalb des Kontakts ein, die das Zusammenspiel von physischer und mentaler Ebene verdeutlicht:

  • Paṭigha-Samphassa (Widerstands-Kontakt, Anstoß-Kontakt): Dies bezieht sich auf den Kontakt, der durch die fünf physischen Sinne (Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper) entsteht. Der Begriff Paṭigha (Widerstand, Widerstreben) deutet hier auf das physische „Auftreffen“ oder die Interaktion mit der materiellen Realität hin.
  • Adhivacana-Samphassa (Benennungs-Kontakt, Bezeichnungs-Kontakt): Dies ist der Kontakt, der über den Geist (Mano) mit mentalen Objekten (Dhammā) wie Konzepten, Namen, Ideen und Vorstellungen stattfindet. Adhivacana bedeutet „Benennung“ oder „Bezeichnung“ und verweist auf die konzeptuelle Natur dieses Kontakts.

Die Lehrrede betont die untrennbare Verbundenheit dieser beiden Kontaktarten im Rahmen der menschlichen Erfahrung: Sie sind wie zwei Seiten einer Münze. Ohne die Fähigkeit zur mentalen Bezeichnung (Adhivacana) könnten wir physische Eindrücke (Paṭigha) nicht in der gewohnten Weise als sinnvolle Objekte erkennen und verarbeiten. Umgekehrt benötigt auch die mentale Benennung oft einen initialen physischen Sinneseindruck als Grundlage.

Der entscheidende Moment: Vom Kontakt zur Reaktion

Es ist wichtig zu verstehen, dass Phassa selbst ein neutraler, notwendiger Bestandteil jeder Erfahrung ist. Der Kontakt an sich ist noch nicht das Leiden. Das Problem entsteht nicht durch den Sinneseindruck selbst, sondern durch die Art und Weise, wie der Geist darauf reagiert.

In einem untrainierten Geist, der von Unwissenheit (Avijjā) beeinflusst ist, führt der Kontakt unmittelbar zu einem Gefühl (Vedanā), auf das gewohnheitsmäßig mit Begehren (Taṇhā) oder Ablehnung reagiert wird. Dieser automatische Prozess wird oft durch „unweise Aufmerksamkeit“ (Ayoniso Manasikāra) befeuert – eine fehlerhafte Betrachtungsweise, die im Vergänglichen Beständigkeit oder im Leidhaften Glück sucht.

Der Pfad zur Befreiung zielt nicht darauf ab, den Kontakt zu vermeiden – was unmöglich ist, solange man lebt –, sondern „weise Aufmerksamkeit“ (Yoniso Manasikāra) und Achtsamkeit (Sati) genau in diesem Moment einzusetzen.

Ein Praktizierender lernt, den Kontakt (Phassa) und das daraus entstehende Gefühl nur als das zu sehen, was sie sind: vergängliche Phänomene. Dadurch wird die automatische Kette zum Begehren unterbrochen. Ein vollständig erwachter Mensch (Arahant) erfährt weiterhin Kontakt und Gefühle, aber da keine Unwissenheit mehr vorhanden ist, entstehen daraus keine Gier, kein Hass und kein neues Leiden.

3. Phassa im Kontext zentraler buddhistischer Konzepte

Phassa steht nicht isoliert, sondern ist eng mit anderen zentralen Lehrpunkten des frühen Buddhismus verwoben.

Im Bedingten Entstehen (Paṭiccasamuppāda)

Im wohl bekanntesten Lehrgebäude, der Kette des Bedingten Entstehens (Paṭiccasamuppāda), nimmt Phassa die sechste Position ein. Die Standardformel lautet:

  • „Bedingt durch die sechs Sinnesgrundlagen (Saḷāyatana) entsteht Kontakt (Phasso)“ (Saḷāyatana-paccayā Phasso).
  • „Bedingt durch Kontakt (Phassa) entsteht Gefühl (Vedanā)“ (Phassa-paccayā Vedanā).

Phassa bildet hier die entscheidende Brücke zwischen der Welt der Sinne (repräsentiert durch die sechs Sinnesgrundlagen, Saḷāyatana) und der Welt der subjektiven Erfahrung (beginnend mit Gefühl, Vedanā, und weiterführend zu Begehren, Taṇhā, Anhaften, Upādāna, und schließlich zu weiterem Werden, Bhava, Geburt, Jāti, Altern und Tod, Jarāmaraṇa). Ohne Kontakt kann die Kette, die zum Leiden führt, nicht in Gang kommen oder weiterlaufen. Es ist das Tor, durch das die Welt in unseren Erfahrungsstrom eintritt. Die Mahānidāna Sutta (DN 15) bietet eine besonders tiefgehende Analyse dieser spezifischen Verknüpfungen im Bedingten Entstehen.

Mit den sechs Sinnesgrundlagen (Saḷāyatana)

Die Verbindung zu den sechs Sinnesgrundlagen (Saḷāyatana) ist definitionsgemäß direkt und untrennbar. Phassa ist das Ereignis, das stattfindet, wenn eine innere Sinnesgrundlage (Auge, Ohr etc.) mit einem entsprechenden äußeren Sinnesobjekt (Form, Ton etc.) durch das jeweilige Bewusstsein zusammentrifft. Man könnte sagen, die Saḷāyatana bilden die notwendige Struktur oder die „Hardware“ für die Erfahrung, während Phassa das dynamische „Ereignis“ dieser Interaktion ist. Die gesamte 35. Gruppierte Sammlung des Saṃyutta Nikāya, das Saḷāyatana Saṃyutta (SN 35), ist diesem Thema gewidmet und behandelt daher implizit und explizit ausführlich die Bedingungen und Folgen von Phassa.

In Bezug zu den fünf Aggregaten (Khandhas)

Phassa ist eng mit den fünf Aggregaten (Khandhas) verbunden, die nach buddhistischer Analyse die Bausteine der Persönlichkeit und Erfahrung bilden, an die wir fälschlicherweise als ein permanentes „Selbst“ anhaften:

  • Form/Körperlichkeit (Rūpa): Die inneren Sinnesgrundlagen (Auge, Ohr etc.) und die äußeren Sinnesobjekte (Formen, Töne etc.), die bei Phassa zusammentreffen, gehören zum Form-Aggregat. Das Glied Nāmarūpa (Name-und-Form) im Bedingten Entstehen, das Phassa bedingt, umfasst die Körperlichkeit (Rūpa) und die mentalen Faktoren (Nāma). DN 15 zeigt explizit die Bedingtheit von Phassa durch Nāmarūpa. Eine Analyse in SN 12.2 zählt Phassa selbst zu den Bestandteilen von Nāma (Geistigkeit).
  • Gefühl (Vedanā): Entsteht direkt aus Phassa als dessen unmittelbare Folge (Phassa-paccayā Vedanā).
  • Wahrnehmung (Saññā): Folgt auf Phassa und Vedanā. Während Phassa der reine Kontakt ist, stellt Saññā das Erkennen, Identifizieren und Benennen des kontaktierten Objekts dar. Die Madhupiṇḍika Sutta (MN 18) legt die Reihenfolge PhassaVedanāSaññāVitakka (Gedanke) → Papañca (Wucherung) nahe.
  • Geistesformationen/Willensregungen (Saṅkhāra): Absichten (Cetanā) und andere geistige Aktivitäten entstehen als Reaktion auf die durch Phassa ausgelösten Gefühle und Wahrnehmungen. Die Unterscheidung zwischen neutralem Phassa und beflecktem Samphassa zeigt, wie insbesondere unheilsame Formationen (wie Begehren) aus dem befleckten Kontakt erwachsen.
  • Bewusstsein (Viññāṇa): Ist einer der drei notwendigen Bestandteile für das Zustandekommen von Phassa. Es ist das Bewusstsein, das das Objekt über die Sinnesgrundlage erkennt, und dieses gesamte Ereignis des Zusammentreffens wird als Phassa bezeichnet.

Als Nährstoff (Phassāhāra)

Eine weitere wichtige Einordnung von Phassa findet sich in der Lehre von den vier „Nährstoffen“ oder „Nahrungen“ (Āhāra), die das Dasein im Kreislauf der Wiedergeburten (Saṃsāra) aufrechterhalten. Diese vier sind:

  1. Materielle Nahrung (Kabalinkārāhāra)
  2. Kontakt (Phassāhāra)
  3. Geistige Absicht/Willensbildung (Manosañcetanāhāra)
  4. Bewusstsein (Viññāṇāhāra)

Die Aufnahme von Phassa in diese Liste neben grobstofflicher Nahrung unterstreicht seine fundamentale Rolle bei der Aufrechterhaltung des Lebensprozesses. Ähnlich wie physische Nahrung den Körper erhält, so „nährt“ der ständige Strom von Sinneseindrücken durch die sechs Tore den psychischen Prozess des Erlebens und indirekt das Fortbestehen im Daseinskreislauf. Der Kontakt liefert den Rohstoff – die Sinnesdaten –, der, wenn er auf unbewusste Reaktionen wie Begehren und Anhaften trifft, den Motor des Saṃsāra am Laufen hält. Ohne diese ständige „Nahrungszufuhr“ durch die Sinne via Phassa hätten die nachfolgenden Glieder wie Gefühl, Begehren und Anhaften keine Grundlage. Dies verdeutlicht, dass Sinneserfahrung kein passiver Vorgang ist, sondern ein aktives „Sich-Nähren“ von der Welt, das, wenn es von Unwissenheit (Avijjā) begleitet wird, das Leiden verlängert.

Das Verständnis von Phassa als Nährstoff betont die Notwendigkeit von Achtsamkeit und Weisheit direkt an den Sinnestoren, um diesen nährenden Prozess zu durchschauen und die Wurzeln des Leidens zu durchtrennen.

4. Phassa in den Lehrreden (Suttas)

Die folgenden Lehrreden aus den vier Hauptsammlungen des Pāli-Kanons behandeln Phassa besonders ausführlich oder definieren den Begriff in zentraler Weise. Hinweis: Erklärende Texte zu Lehrreden finden sich im Lehrreden-Verzeichnis.

Schlüsseltexte aus Dīgha Nikāya (DN) und Majjhima Nikāya (MN)

DN 15: Mahānidāna Sutta (Die große Lehrrede über die Ursachen)

  • Relevanz: Diese Lehrrede gilt als eine der tiefgründigsten Darlegungen des Bedingten Entstehens. Sie analysiert detailliert die Abhängigkeit von Kontakt (Phassa) von Name-und-Form (Nāmarūpa) und die Abhängigkeit von Gefühl (Vedanā) von Kontakt (Phassa). Sie führt auch die wichtige Unterscheidung zwischen Widerstands-Kontakt (Paṭigha-Samphassa) und Benennungs-Kontakt (Adhivacana-Samphassa) ein.
  • Inhalt (Bezug zu Phassa): Die Sutta erklärt, wie Kontakt durch die psycho-physische Einheit (Name-und-Form) bedingt ist, indem sie zeigt, dass ohne die mentalen Benennungsfähigkeiten (Adhivacana) der physische Kontakt (Paṭigha) nicht in gleicher Weise als bewusste Erfahrung registriert würde, und umgekehrt.
  • Deutscher Titel: Die große Lehrrede über die Ursachen.
  • Quelle: https://suttacentral.net/dn15/de/ | DN 15 – Zusammenfassung und Erklärung der Lehrrede im Lehrreden-Verzeichnis.

MN 18: Madhupiṇḍika Sutta (Die Honigkugel-Lehrrede)

  • Relevanz: Diese Lehrrede illustriert eindrücklich, wie aus dem initialen Kontakt (Phassa) ein Prozess mentaler Wucherung (Papañca) entstehen kann, der zu innerem und äußerem Konflikt führt. Sie zeigt die Kaskade: Sinnesgrundlage + Objekt → Bewusstsein → PhassaVedanā (Gefühl) → Saññā (Wahrnehmung) → Vitakka (Gedanke) → Papañca-Saññā-Saṅkhā (von wuchernden Wahrnehmungen getriebene Beurteilungen).
  • Inhalt (Bezug zu Phassa): Die Sutta formuliert klar: „Augenbewusstsein entsteht in Abhängigkeit von Auge und Formen. Das Zusammentreffen der drei ist Kontakt (Phasso). Bedingt durch Kontakt entsteht Gefühl (Vedanā). Was man fühlt, das nimmt man wahr (Sañjānāti). Was man wahrnimmt, darüber denkt man nach (Vitakketi). Worüber man nachdenkt, das lässt man wuchern (Papañceti)…“. Phassa steht hier am Anfang einer kognitiv-affektiven Kette, die, wenn sie unachtsam abläuft, zu Leiden führt.
  • Deutscher Titel: Die Honigkugel-Lehrrede (oder Der Honigkuchen).
  • Quelle: https://suttacentral.net/mn18/de/ | MN 18 – Zusammenfassung und Erklärung der Lehrrede im Lehrreden-Verzeichnis.

MN 148: Chachakka Sutta (Die Lehrrede von den sechs Sechsergruppen)

  • Relevanz: Diese Sutta liefert die systematischste und grundlegendste Definition der sechs Arten von Phassa als das „Treffen der Drei“ für jede der sechs Sinnesgrundlagen. Sie verknüpft Phassa klar mit Vedanā (Gefühl) und Taṇhā (Begehren) und demonstriert die Anwendung der Lehre vom Nicht-Selbst (Anattā) auch auf den Kontakt selbst.
  • Inhalt (Bezug zu Phassa): Definiert explizit jeden der sechs Kontakte nach dem Muster: „In Abhängigkeit von Auge und Formen entsteht Augenbewusstsein; das Zusammentreffen der drei ist Kontakt (Tiṇṇaṁ Saṅgati Phasso).“ Dies wird für alle sechs Sinne wiederholt. Weiter heißt es: „Mit Kontakt als Bedingung entsteht Gefühl (Phassa-paccayā Vedanā)“ und „Mit Gefühl als Bedingung entsteht Begehren (Vedanā-paccayā Taṇhā)“. Die Sutta analysiert zudem Phassa (wie auch die anderen Glieder der Kette) als vergänglich und nicht-selbst.
  • Deutscher Titel: Die Lehrrede von den sechs Sechsergruppen (oder Sechsfache Sechsheit).
  • Quelle: https://suttacentral.net/mn148/de/ | MN 148 – Zusammenfassung und Erklärung der Lehrrede im Lehrreden-Verzeichnis.

Relevanz im Saṃyutta Nikāya (SN)

SN 35: Saḷāyatana Saṃyutta (Die Gruppierte Sammlung über die sechs Sinnengrundlagen)

  • Relevanz: Diese gesamte Sammlung von Lehrreden (Saṃyutta) ist den sechs inneren und äußeren Sinnesgrundlagen (Saḷāyatana) gewidmet. Da Phassa in direkter Abhängigkeit von diesen Grundlagen entsteht, ist SN 35 die umfangreichste Quelle für Lehren, die sich mit den Bedingungen, der Natur und den Konsequenzen von Kontakt befassen. Sie untersucht eingehend die Merkmale der Vergänglichkeit (Anicca), des Leidens (Dukkha) und der Selbstlosigkeit (Anattā) in Bezug auf die Sinnesgrundlagen, Sinnesobjekte, das Bewusstsein, den Kontakt und die daraus entstehenden Gefühle.
  • Beispiel-Sutta: SN 35.24 Pahāna Sutta (Die Lehrrede vom Aufgeben): Diese kurze, prägnante Lehrrede fordert dazu auf, das Auge, die Formen, das Sehbewusstsein, den Augenkontakt (Cakkhu-Samphasso) sowie das angenehme, unangenehme oder neutrale Gefühl (Vedayitaṁ), das durch den Augenkontakt bedingt entsteht, aufzugeben (Pahātabbaṁ). Dies wird für alle sechs Sinne wiederholt. Die Sutta adressiert direkt die Notwendigkeit, die Anhaftung an den gesamten Sinnesprozess, beginnend mit dem Kontakt, zu lösen.
  • Deutscher Titel: Die Gruppierte Sammlung über die sechs Sinnengrundlagen (oder Saḷāyatana Saṃyutta).
  • Quelle: https://suttacentral.net/sn35 | SN 35 – Zusammenfassung des Kapitels im Lehrreden-Verzeichnis.; https://suttacentral.net/sn35.24/de/sabbamitta (Pahāna Sutta, Beispielübersetzung)

Eine wichtige Lehrrede im Aṅguttara Nikāya (AN)

AN 6.63: Nibbedhika Sutta (Die durchdringende Lehrrede)

  • Relevanz: Diese Lehrrede bietet eine „durchdringende“ (Nibbedhika) Analyse zentraler buddhistischer Begriffe wie Sinnlichkeit/Begierde (Kāma), Gefühl (Vedanā), Wahrnehmung (Saññā), Triebe/Einflüsse (Āsava), Handlung (Kamma) und Leiden (Dukkha). Für das Verständnis von Phassa ist sie besonders bedeutsam, da sie Kontakt (Phassa) explizit als die Ursprungsbedingung (Nidāna-Sambhavo) für Sinnlichkeit, Gefühl und Wahrnehmung identifiziert.
  • Inhalt (Bezug zu Phassa): Die Sutta stellt die Frage nach der Ursache für Sinnlichkeit, Gefühl und Wahrnehmung und beantwortet sie jeweils klar: „Und was, ihr Mönche, ist die Ursprungsbedingung der Sinnlichkeit? Kontakt (Phasso) ist die Ursprungsbedingung der Sinnlichkeit.“ (Entsprechend für Gefühl und Wahrnehmung). Ebenso wird festgestellt, dass die Aufhebung des Kontakts (Phassa-Nirodhā) zur Aufhebung von Sinnlichkeit, Gefühl und Wahrnehmung führt. Dies unterstreicht die fundamentale Rolle von Phassa als Auslöser für diese zentralen Aspekte der Erfahrung.
  • Deutscher Titel: Die durchdringende Lehrrede.
  • Quelle: https://suttacentral.net/an6.63/de/ | AN 6.63 – Zusammenfassung und Erklärung der Lehrrede im Lehrreden-Verzeichnis.

Zusammenfassende Übersicht der Schlüsseltexte

Nikāya Sutta-Nummer Pāli-Name Deutscher Name (Beispiel) Relevanz für Phassa SuttaCentral Link (Beispiel Deutsch)
DN 15 Mahānidāna Sutta Die große Lehrrede über die Ursachen Bedingtheit durch Nāmarūpa; Bedingung für Vedanā; Paṭigha-/Adhivacana-Samphassa Link
MN 18 Madhupiṇḍika Sutta Die Honigkugel-Lehrrede Phassa als Auslöser für Vedanā, Saññā, Vitakka, Papañca (Wucherung); Entstehung von Konflikt Link
MN 148 Chachakka Sutta Die Lehrrede von den sechs Sechsergruppen Systematische Definition der 6 Arten von Phassa („Treffen der Drei“); Verbindung zu Vedanā, Taṇhā; Anattā Link
SN 35 Saḷāyatana Saṃyutta Sammlung über die sechs Sinnengrundlagen Gesamte Sammlung relevant; Analyse der Bedingungen und Folgen von Phassa im Kontext der Sinne Link
SN 35.24 Pahāna Sutta Die Lehrrede vom Aufgeben Beispiel aus SN 35: Notwendigkeit, Phassa und die daraus resultierende Vedanā aufzugeben Link
AN 6.63 Nibbedhika Sutta Die durchdringende Lehrrede Phassa als Ursprungsbedingung (Nidāna-Sambhavo) für Kāma, Vedanā und Saññā Link

5. Zusammenfassung und Ausblick

Phassa (Kontakt) ist ein zentraler Begriff im frühen Buddhismus, der den entscheidenden Moment des Zusammentreffens von innerer Sinnesgrundlage, äußerem Sinnesobjekt und entsprechendem Bewusstsein beschreibt. Dieses „Treffen der Drei“ ist die Grundvoraussetzung für jede Form von Erfahrung.

Als sechstes Glied in der Kette des Bedingten Entstehens (Paṭiccasamuppāda) bildet Phassa die Brücke zwischen der Sinneswelt (Saḷāyatana) und der subjektiven Erlebniswelt, beginnend mit Gefühl (Vedanā) und potenziell weiterführend zu Begehren (Taṇhā), Anhaften (Upādāna) und dem gesamten Kreislauf des Leidens. Seine Einordnung als einer der vier Nährstoffe (Āhāra) unterstreicht die Rolle des ständigen Sinneskontakts als Treibstoff für das Fortbestehen im Daseinskreislauf (Saṃsāra).

Von besonderer Bedeutung für die Praxis ist die Unterscheidung zwischen dem neutralen, unvermeidlichen Ereignis des Kontakts (Phassa) und dem befleckten Kontakt (Samphassa), der durch Gier, Hass und Verblendung gefärbt ist und die Kette des Leidens in Gang setzt.

Das Verständnis von Phassa ist somit nicht nur eine akademische Angelegenheit, sondern ein Schlüssel zur Entwicklung von Achtsamkeit und Einsicht (Vipassanā). Es ermöglicht, den Entstehungsmoment der Erfahrung bewusst wahrzunehmen und die automatische Reaktionskette von Begehren und Abneigung zu unterbrechen, die letztlich zu Leiden führt.

Die in diesem Bericht vorgestellten Lehrreden, insbesondere aus dem Dīgha Nikāya, Majjhima Nikāya sowie die spezifischen Sammlungen im Saṃyutta Nikāya (SN 35) und relevante Texte im Aṅguttara Nikāya (wie AN 6.63), bieten eine reiche Quelle für das vertiefte Studium dieses fundamentalen Aspekts menschlicher Erfahrung aus buddhistischer Perspektive. Sie laden dazu ein, sich direkt mit den Worten des Buddha auseinanderzusetzen und die Bedeutung von Phassa für den eigenen Weg zur Befreiung zu erforschen.

Referenzen & weiterführende Webseiten/Dokumente

Quellen, Suttas & Nachschlagewerke Lehrer, Essays & Praxis-Vertiefung E-Books, Audio & Bibliotheken

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7. Gefühl (Vedanā)
7. Gefühl (Vedanā)

Vedanā (Gefühl – 7. Glied)
Aus dem Kontakt entsteht unmittelbar Vedanā, das Gefühl oder die Empfindung. Dieses kann angenehm, unangenehm oder neutral sein. Lerne hier, warum dieses Glied so entscheidend ist: Deine Reaktion auf das Gefühl bestimmt maßgeblich, ob der Leidensprozess weiter angefacht wird oder ob du aussteigen kannst.