Triebe (Āsavas), Fluten (Oghas) und Joche (Yogas)
Eine Einführung in die tief verwurzelten Hindernisse auf dem Weg zur Befreiung
Willkommen in diesem Bereich, der sich den tiefsten Wurzeln unserer mentalen Konditionierung widmet: den Trieben oder Āsavas, sowie den eng verwandten Konzepten der Fluten (Ogha) und Joche (Yoga).
Vielleicht fragst du dich, was genau diese Begriffe bedeuten und warum sie hier gemeinsam behandelt werden. Kurz gesagt, handelt es sich um tief verwurzelte, oft unbewusste mentale Tendenzen, die deinen Geist trüben und dich an den leidvollen Kreislauf der Wiedergeburten (Saṃsāra) binden.
Der Begriff Āsava beschreibt diese Tendenzen als subtile „Ausflüsse“ oder „Fermentationen“, die den Geist „berauschen“ und ihn daran hindern, Klarheit zu erlangen. Doch der Buddha nutzte auch andere kraftvolle Bilder für dieselben Kräfte, die wir deshalb in diesen Bereich aufgenommen haben:
- Die Fluten (Ogha) beschreiben die dynamische, überwältigende Kraft dieser Tendenzen, die uns wie ein reißender Strom mit sich ziehen.
- Die Joche (Yoga) symbolisieren die statische Last und die Unfreiheit, mit der wir wie Zugtiere an den Karren des Daseins „angeschirrt“ sind.
Obwohl die Bildsprache variiert, ist der Inhalt identisch: Es sind die fundamentalen Kräfte von Sinnlichkeit, Daseinsdrang, Ansichten und Unwissenheit, die das Leiden (Dukkha) antreiben.
Das Verständnis dieser Mechanismen ist entscheidend, wenn du die Funktionsweise deines eigenen Geistes tiefer verstehen und den Weg zur Befreiung (Nibbāna) beschreiten möchtest. Die vollständige Zerstörung dieser Triebe, das Überqueren der Fluten und das Abwerfen der Joche ist im frühen Buddhismus gleichbedeutend mit der höchsten Stufe der Befreiung, der Arahantschaft (Arahatta).
Es ist jedoch wichtig zu verstehen: Während das intellektuelle Studium und das Nachdenken über diese Lehren – das, was du gerade tust (ein Aspekt von Dhamma Vicaya, der Untersuchung der Lehre) – ein notwendiger und wertvoller Schritt ist, betonte der Buddha selbst, dass die tiefere Wahrheit der Lehre letztlich durch eigene Erfahrung erschlossen werden muss. Sie gilt als „[bloßem] Nachdenken nicht zugänglich“ (Atakkāvacara). Das bedeutet, diese Texte und Erklärungen können dir Wegweiser sein, aber das wirkliche Verständnis und die Transformation entstehen erst, wenn du die Lehre lebst, den Pfad praktizierst (etwa durch ethisches Verhalten (Sīla), Meditation zur Sammlung des Geistes (Samādhi) und Entwicklung von Weisheit (Paññā)) und die Einsichten durch dein eigenes Tun erfährst. Die Lehre ist kein rein intellektuelles Konstrukt, sondern ein praktischer Weg zur Überwindung des Leidens, der deine aktive Beteiligung erfordert.
Der Hauptbereich ‚Triebe (Āsavas), Fluten & Joche‘ gliedert sich in folgende Wissensgebiete:
Die Āsavas: Tiefe geistige Triebe
Entdecke die Āsavas – tief verwurzelte geistige Triebe oder Befleckungen im Buddhismus. Sie trüben den Geist und binden dich an den leidvollen Kreislauf Saṃsāra. Je nach Lehrrede werden drei oder vier Haupt-Triebe unterschieden: Sinnensucht (Kāmāsava), Daseinsdurst (Bhavāsava), das Festhalten an Ansichten (Diṭṭhāsava) und Unwissenheit (Avijjāsava). Ihre Überwindung (Āsavakkhaya) ist ein zentraler Schlüssel zur Befreiung.
Sinnestrieb (Kāmāsava)
Hier erforschst du den Sinnestrieb (Kāmāsava), die tief verwurzelte Neigung deines Geistes, nach angenehmen Erfahrungen durch die fünf Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) und auch durch angenehme Gedanken oder Vorstellungen zu suchen und daran anzuhaften. Du lernst, wie dieses Verlangen nach Sinnesfreuden (Kāma-Taṇhā) entsteht, wie es dich bindet und welche Rolle es im Kreislauf des Leidens spielt. Entdecke, warum nicht die Sinneserfahrung selbst, sondern das Begehren und Festhalten daran das eigentliche Problem darstellt.
Daseinstrieb (Bhavāsava)
Dieser Abschnitt widmet sich dem Daseinstrieb (Bhavāsava). Dabei geht es um das tiefsitzende Verlangen nach Existenz, nach Fortdauer und Wiedergeburt, sei es in dieser oder einer anderen Welt. Du erfährst, wie dieser Trieb nicht nur den Wunsch nach ewigem Leben, sondern auch die Angst vor der Vernichtung umfasst und wie er eng mit der Identifikation mit einem vermeintlich beständigen „Ich“ oder „Selbst“ zusammenhängt. Verstehe, warum dieser Trieb als einer der Hauptantriebe für den Saṃsāra gilt.
Ansichtentrieb (Diṭṭhāsava)
Der Ansichtentrieb (Diṭṭhāsava) beschreibt das Festhalten an falschen Ansichten (Micchā Diṭṭhi), spekulativen Meinungen und starren Doktrinen über dich selbst und die Welt. Lerne hier, warum nicht Ansichten an sich das Problem sind, sondern das Anhaften (Upādāna) an ihnen. Erfahre, welche typischen falschen Ansichten (wie der Glaube an ein ewiges Selbst oder die Leugnung von Ursache und Wirkung) im Buddhismus identifiziert werden und warum die Überwindung dieses Triebs ein entscheidender erster Schritt auf dem Befreiungsweg ist.
Unwissenheitstrieb (Avijjāsava)
Hier tauchst du in den grundlegendsten aller Triebe ein: den Unwissenheitstrieb (Avijjāsava). Dies ist keine bloße Abwesenheit von Wissen, sondern eine aktive Verblendung (Moha), das fundamentale Nicht-Verstehen der wahren Natur der Realität – insbesondere der Vier Edlen Wahrheiten, des Bedingten Entstehens (Paṭiccasamuppāda) und der Merkmale von Vergänglichkeit (Anicca), Leidhaftigkeit (Dukkha) und Nicht-Selbst (Anattā). Entdecke, warum Avijjā als die Wurzel allen Leidens und der anderen Āsavas gilt und wie ihre Überwindung durch Weisheit (Paññā) der Schlüssel zur Befreiung ist.
Ogha – Flut / Fluten
Fühlst du dich manchmal, als würdest du in einem Strudel aus Verlangen, Dasein und Unwissenheit feststecken? Der Buddha nannte diese überwältigenden Kräfte „Fluten“ (Ogha), die eng mit den „Trieben“ (Āsava) verwandt sind. Erfahre, wie diese mentalen Strömungen dich von wahrer Klarheit abhalten und wie du die Werkzeuge des Dhamma nutzen kannst, um dich von diesen Fesseln zu befreien und dein volles Potenzial zu entfalten.
Die vier Yogas – Die Joche
Sind wir wirklich frei, oder ziehen wir unbewusst einen schweren Wagen? Erfahre, welche vier spezifischen „Anschirrungen“ den Geist im Kreislauf des Leidens festhalten. Entdecke, wie das fatale Zusammenspiel aus Sinnlichkeit (Kāma), Daseinsdrang (Bhava), falschen Ansichten (Diṭṭhi) und Unwissenheit (Avijjā) eine vierfache Fessel bildet und wie der Pfad der Entjochung diese Lasten löst. Identifiziere die Bürden, um sie endgültig abzuwerfen.













