Das Feedback-Protokoll (MN 61)
Der Spiegel der Tat: Wie du Fehler korrigierst, ohne dich zu hassen (MN 61)
Die meisten Menschen leben ihr Leben im „Blindflug“. Sie handeln impulsiv, bereuen es später und versinken dann in Schuldgefühlen. Oder sie verdrängen ihre Fehler und machen sie immer wieder.
Im Ambalaṭṭhikārāhulovāda Sutta (MN 61) gibt der Buddha seinem eigenen Sohn, Rāhula, eine der präzisesten Anleitungen zur Selbstreflexion, die je verfasst wurden. Er nutzt dazu ein einfaches Bild: Den Spiegel.
„Wozu dient ein Spiegel, Rāhula?“ – „Zur Betrachtung, Herr.“ – „Ebenso sollst du handeln, nachdem du immer wieder betrachtet hast.“
Hier ist das 3-Phasen-Protokoll, um dein Kamma (dein Handeln) in Echtzeit zu reinigen.
Phase 1: Die Simulation (Vor der Tat)
Bevor du handelst (mit dem Körper, der Rede oder im Geist), halte inne. Simuliere die Konsequenzen.
- Die Frage: „Führt diese Tat, die ich tun will, zu meinem eigenen Leid? Zum Leid anderer? Oder zum Leid beider?“
- Der Algorithmus:
- Wenn die Antwort JA ist (es ist unheilsam/akusala): Tu es nicht. Brich ab. Egal wie groß der Drang ist.
- Wenn die Antwort NEIN ist (es ist heilsam/kusala): Tu es.
Das ist Prävention. Die meisten Konflikte würden nie entstehen, wenn wir diese 3 Sekunden der Simulation nutzen würden.
Phase 2: Das Monitoring (Während der Tat)
Wir sind oft unachtsam, während wir handeln. Der Buddha fordert Echtzeit-Überwachung.
- Die Frage: „Führt das, was ich gerade tue, zu Leid? Steigt gerade Wut oder Gier in mir auf?“
- Der Algorithmus:
- Wenn JA: Stopp sofort. Brich die Handlung ab. Verlasse den Raum. Schweig.
- Wenn NEIN: Mach weiter.
Phase 3: Die Post-Mortem-Analyse (Nach der Tat)
Das ist der wichtigste Schritt für das Lernen. Die Rückschau.
- Die Frage: „Hat das, was ich getan habe, zu Leid geführt?“
- Der Algorithmus:
- Wenn JA (Fehler passiert): Bereue es nicht toxisch. Sondern: Gestehe den Fehler (vor dir selbst oder einem Lehrer/Freund). Analysiere ihn. Fass den Entschluss zur Besserung (Zukunft). Und dann: Lass los.
- Wenn NEIN (Erfolg): Freu dich! Verweile in dieser Freude (Pīti) darüber, dass du rein gehandelt hast. Nutze diese Energie für weiteres Training.
🚀 Expert-Level: Keine Schuld, nur Feedback
Das Geniale an MN 61 ist das Fehlen von „Sünde“. Es gibt nur Kusala (geschickt/heilsam) und Akusala (ungeschickt/unheilsam).
Wenn ein Programmierer einen Bug im Code findet, hasst er sich nicht dafür. Er analysiert ihn und schreibt den Code um. Sei ein Ingenieur deines Geistes, kein Richter.
Fazit: Putz den Spiegel
Ein reines Gewissen ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von ständiger Reflexion.
Nutz dieses Protokoll heute. Vor der nächsten E-Mail, vor dem nächsten Snack, vor dem nächsten Gespräch: Simuliere kurz. Prüf das Ergebnis. Das ist der Weg zur Reinheit.






